Bühne

Die Russen kommen!

Vor langer Zeit zogen sie in das „gelobte Land“ nach Osten, später kamen sie zurück in das alte „Paradies“ des Westens. Wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe war ihr Schicksal seit Jahrhunderten immer abhängig von den außenpolitischen Verhältnissen zwischen Deutschland und Russland. Sie haben unter den Folgen von Krieg, Vertreibung und Diktatur besonders leiden müssen und sind ein Teil unserer Geschichte. Russlanddeutsche leben bis heute in einer Situation von doppelter Fremdheit.

Uraufführung: Staatstheater Nürnberg, 24.10.2010

 

BESETZUNG

Regie und Musik: Patrick Schimanski
Bühne: Ulli Remmert
Kostüme: Catharina Bornemann
Dramaturgie: Maren Zimmermann

Mit: Rebecca Kirchmann, Patricia Litten, Henriette Schmidt; Pius Maria Cüppers, Thomas L. Dietz

 

PRESSESTIMMEN

»Gesine Schmidt, seit ›Der Kick‹ die Fachfrau für authentische O-Töne als Essenz geduldiger Interviews, recherchierte vor Ort unter ‚Russland-Deutschen‘, die verteilt auf zwei Stadtteile fast zehn Prozent der Nürnberger stellen: 45000 unbekannte Nachbarn. Was sie von 21 Personen im Alter zwischen 17 und 90 erfahren und in winzige Charakter-Porträts transformiert hat, ist frei von Sozialpathos. Es blitzt nur so von abwechselnd lapidaren und tragikomischen Erkenntnissen, wenn fünf Akteure vermitteln, was ‚Glück‘ ist (die ›kleine Witwenrente‹ oder ›Fährt Mercedes. Fährt Urlaub. Gutes Leben‹) und wo die Zukunft beim nüchtern kalkulierten Heroin Dealen oder im Auftrumpfen mit angelerntem Traditionsbewusstsein gesehen wird. ›Wir sind doch nicht Amerika‹, schimpft die Neu-Deutsche – und ist also angekommen. Scheitern an Sprache findet da nicht zwischen Sibirien und Deutschland statt, sondern zwischen Schwaben und Bayern. Versenken sich die Darsteller zunächst noch milde nostalgisch in Küchenliedern, ›Wo sanft der Ostwind weht‹, schalten sie auf dem Weg durch die Ämter alsbald auf den Kanon ›Bitte warten‹ um. Gesine Schmidt hat ihr Mosaik in ›Die Russen kommen!‹ feinfühlig in Szene gesetzt, so stimmig in seiner Live-Wirkung, wie das kein Film und kein noch so kluger Vortrag schaffen könnte.«
Die Deutsche Bühne, Dez. 2010

Link: https://rusdeutsch.eu/Nachrichten/1670

FOTOS

Marion Bührle / Staatstheater Nürnberg