Bühne

WHO CARES?

Können Roboter pflegen?

Seit 2016 ist Deutschland offiziell eine überalterte Gesellschaft: mehr als 21 Prozent der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre. Im Jahr 2060 wird die Altersklasse 65plus etwa 34 Prozent an der Gesamtbevölkerung ausmachen.  Das Statistische Bundesamt kommt in seiner Hochrechnung zum Schluss, dass im Jahr 2030 schon 3,4 Millionen Bundesbürger Leistungen der Pflegeversicherung beziehen werden. Bis dahin werden, laut Bertelsmann-Studie, über 2,5 Millionen Pflegekräfte in Heimen fehlen. Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung können sich 83 Prozent der Deutschen inzwischen vorstellen, einen Service-Roboter zuhause zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Die Angst vor Pflegebedürftigkeit, Altersarmut und lebensbedrohlichen Krankheiten ist groß.

Der ethisch hochsensible und kontrovers diskutierte Bereich der Pflegerobotik wirft viele Fragen auf. Technik ist nicht die Lösung, sondern ein Werkzeug über das wir mehr Wissen und Kenntnis brauchen. Noch gibt es keine marktreifen Pflegeroboter. Welche Prototypen werden entwickelt und getestet? Welche Visionen werden verfolgt und wie gehen die Forscher dabei vor?  Fast alle Forschungsprojekte sind partizipativ angelegt. Auf welche Situationen treffen sie im Feld? Wobei kann technische Assistenz helfen und wo liegen die Grenzen? Welche ethischen Fragen stellen sich hierbei?

Neben den Forschern, Entwicklern und Vertreibern von Pflegerobotik kommen auch die Perspektiven der Heimleiter, des Pflegepersonals, der Pflegeethik und der Pflegebedürftigen zu Wort.

Wir brauchen eine Diskussion über KI, auch wenn wir heute noch keine wirkliche starke KI haben. Wir haben auch noch keine wirklich tollen schlauen Roboter, die autonom funktionieren, aber das sind die Anfänge. Und wir müssen jetzt darüber sprechen. Wir müssen heute überlegen, wo wollen wir die denn in Zukunft einsetzen? Und wo wollen wir sie auf keinen Fall einsetzen? Was sollen Roboter dürfen und wo wollen wir die Grenzen ziehen? Marketingleiter eines Healthtech-Unternehmens

Uraufführung: 2. Juni 2021 – Münchner Kammerspiele Auftragswerk

Regie:Christoph Frick
Bühne & Kostüme:
Clarissa Herbst
Sounddesign und Musik: Christoph Beck, Florian Kreier
Lichtdesign: Charlotte Marr
Video: Luis August Krawen
Dramaturgie: Martín Valdés-Stauber

Mit: Erwin Aljukić, Johanna Eiworth, Christian Löber, Nancy Mensah Offei, Martin Weigel

 

Einladung zum Heidelberger Stückemarkt 2022

 

PRESSESTIMMEN

»Viel hat man in den vergangenen Monaten über den Pflegenotstand gelesen; kaum ein Artikel traf so wie dieser Abend.« SZ

»Die Autorin Gesine Schmidt interviewte für ihr Stück viele Betroffene (Personal wie Bewohner) und Experten zum Bereich Seniorenpflege. In Gesprächen mit Wissenschaftlern suchte sie nach einer Möglichkeit, Künstliche Intelligenz als Entlastung des überforderten und unterbezahlten Heimpersonals einzusetzen. ›Bis in die 2050-er Jahre‹, so eine der vielen Stimmen, die an diesem Abend zu hören sind ›müssen wir mit einer Zunahme der Zahl Pflegebedürftiger um 80 Prozent rechnen.‹ … Die nüchternen Fakten, die Schmidt aufbietet, klingen dramatisch genug. Aber will man das alles auf der Bühne sehen? Reicht es nicht, mit derlei unerfreulich beunruhigenden Zukunftsvisionen in den Nachrichten konfrontiert zu werden? Klares Ja. Klares Nein. Man sträubt sich vielleicht anfangs gegen das Thema mag es auch dringlich, schmerzhaft oder noch so ausgiebig diskutiert sein. Doch bereits bevor die komplexe, intelligent geschachtelte mit ihrer gewaltigen Wucht ins Hirn greift, berührt Christoph Fricks feinsinnige, abwechslungsreiche Regie. … Das Stück ›Who Cares?‹ findet für dieses gigantische Problem zwar auch keine endgültigen Antworten. Es stellt aber zumindest die richtigen Fragen. An die Politik, die Gesellschaft – und ganz direkt an jeden von uns selbst.« Münchner Merkur

»Gesine Schmidt denkt in ihrem dokumentarischen Theatertext ›Who Cares – Können Roboter pflegen?‹ die notwendigen Gedanken. Die Künstliche Intelligenz, die Maschine soll es also richten, das mit der Pflege. Regisseur Christoph Frick gelingt ein wahrhaftiges Kunststück – etwas so Schmerzhaftem wie dem bis zum Überdruss diskutierten Pflegenotstand eine frische Dringlichkeit zu vergeben. Sicherlich, keine leichte Aufgabe. Gesine Schmidts Ursprungstext ist zunächst schematisches Textflächenmonstrum: leicht sperrig wie sein wunderbar hintersinniger Titel, Standpunkt an Standpunk gereiht, Protokolle einer umfassenden Recherche, ihre Gesprächspartner:innen-Liste stellt sie voran. … Dass das so hervorragend funktioniert, liegt auch an den fünf sehr besonderen Schauspieler:innen, denen Christoph Frick gleichberechtigten Spielraum gibt. … Am Ende Ernüchterung. Da erzählt Christian Löber leicht nerdig etwas von simuliertem Interesse und dass das besser sei als allein zu sein. Dass das funktioniert, beweist er kunstgriffig in einem kleinen Plausch mit dem Publikum. Simuliertes Interesse also – wer ist damit gemeint, tatsächlich die Roboter oder vielleicht doch wir heute Abend?« nachtkritik

 

Fotos von Gesine Schmidt